Toxoplasmose im Auge
Dr. med. Gabriele Valaisaite
Teilen Sie diesen Artikel!
Dr. med. Gabriele Valaisaite
Teilen Sie diesen Artikel!
Inhaltsverzeichnis

Einführung: Toxoplasmose im Auge
Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii verursacht wird. Obwohl die Infektion meist asymptomatisch verläuft und viele Menschen sie im Laufe ihres Lebens unbemerkt durchmachen, kann sie ernsthafte gesundheitliche Folgen haben, wenn sie das Auge betrifft. In solchen Fällen spricht man von einer okulären, erworbenen Toxoplasmose, welche sich überwiegend als Retinochoroiditis manifestiert.
Übertragungswege und Risikofaktoren
Der Hauptübertragungsweg des Erregers der Toxoplasmose „Toxoplasma gondii“ auf den Menschen ist der Verzehr von rohem oder unzureichend gekochtem Fleisch, das mit dem Parasiten infiziert ist. Eine weitere Ansteckungsmöglichkeit besteht beim Kontakt mit Katzenkot, da Katzen als Hauptwirt des Überträgers gelten. Schwangere Frauen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders anfällig für eine Infektion und die anschliessende Ausbreitung des Parasiten auf die Augen und andere Organe.
Symptome der okulären Toxoplasmose
Die Symptome der okulären Toxoplasmose können variieren, sind jedoch oft charakterisiert durch:
- Verschwommene oder getrübte Sicht
- Schmerzen im Auge
- Rötung des Auges
- Lichtempfindlichkeit
- Schwarze Flecken im Sichtfeld (Skotome)
Klinische Zeichen der Toxoplasmose im Auge
Wenn ein Augenarzt den Verdacht auf eine die Erkrankung hat, wird er bei einer Untersuchung des Augenhintergrunds und des vorderen Augenabschnitts spezifische klinische Zeichen suchen. Hier sind die häufigsten Zeichen, die bei dieser Erkrankung auftreten können:
- Retinale Nekrose: Dies ist das charakteristischste Zeichen der okulären Toxoplasmose-Infektion. Es handelt sich dabei um abgestorbene Bereiche der Netzhaut, die oft weisslich oder gelblich erscheinen. Diese nekrotischen Läsionen sind oft von Entzündungen umgeben.
- Satellitenläsionen: In der Nähe der Hauptnekrose können kleinere Läsionen, sogenannte Satellitenläsionen, auftreten, die ebenfalls nekrotischen Charakter haben.
- Vitreale Entzündung: Die Glaskörper (Vitreum) des Auges können entzündet sein, was zu einer Trübung des Glaskörpers führt. Dies wird als Vitritis bezeichnet.
- Anteriore Uveitis: Entzündung des vorderen Teils der Uvea, insbesondere der Iris und des Ziliarkörpers. Dies kann zu einer Rötung des Auges, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit führen.
- Choroiditis: Entzündung der Aderhaut (Choroidea), die sich als entzündliche Läsionen im Augenhintergrund zeigt.
- Chorioretinitis: Eine Kombination aus Choroiditis und Retinitis, bei der sowohl die Aderhaut als auch die Netzhaut betroffen sind.
- Optikusneuritis: Entzündung des Sehnervs, die zu Sehstörungen und eventuell zu einem relativen afferenten Pupillendefekt führen kann.
- Zystoides Makulaödem: Eine Schwellung in der zentralen Netzhaut, insbesondere in der Makula, die durch Flüssigkeitsansammlung verursacht wird.
- Narbige Veränderungen: Bei Personen, die in der Vergangenheit eine okuläre Toxoplasmose hatten, können Narben oder narbige Veränderungen an der Stelle früherer Läsionen auftreten.
Diese klinischen Zeichen sind nicht ausschliesslich für die okuläre Toxoplasmose spezifisch und können auch bei anderen Augenerkrankungen vorkommen. Daher ist eine umfassende Untersuchung und eventuell eine Laborbestätigung erforderlich, um eine genaue Diagnose zu stellen.
Diagnostik der okulären Toxoplasmose
Die Diagnose der okulären Toxoplasmose-Infektion basiert auf einer Kombination aus medizinischer Zeichen, anamnestischen Informationen und Laboruntersuchungen. Hier sind die Hauptaspekte der Diagnostik:
Anamnese
Fragen nach früheren Episoden von Augenentzündungen, bekannten Toxoplasmose-Infektionen oder Risikofaktoren für eine Toxoplasmose-Infektion können hilfreich sein.
Augenuntersuchung
- Spaltlampenbiomikroskopie: Mit einer Spaltlampe kann der vordere Augenabschnitt beurteilt werden, um Anzeichen einer anterioren Uveitis oder anderer Entzündungen zu erkennen.
- Fundoskopie: Bei der Untersuchung des Augenhintergrunds können typische Läsionen der okulären Toxoplasmose-Infektion, wie retinale Nekrose oder Satellitenläsionen, sichtbar gemacht werden.
- Fluoreszein-Angiographie: Ein diagnostisches Verfahren, bei dem ein Fluoreszein-Farbstoff injiziert und dann die Durchblutung der Netzhaut und der Aderhaut beurteilt wird. Es kann helfen, entzündliche Läsionen besser zu visualisieren.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Ein bildgebendes Verfahren, das Schnittbilder der Netzhaut erstellt und verwendet werden kann, um Ödeme oder andere retinale Veränderungen zu erkennen.
Laboruntersuchungen
- Serologie: Die Bestimmung von IgG- und IgM-Antikörpern gegen Toxoplasma gondii im Blut kann Aufschluss über eine aktuelle oder frühere Infektion geben. Ein positives IgG zeigt eine frühere Exposition gegenüber dem Parasiten an, während ein positives IgM auf eine aktuelle oder kürzlich aufgetretene Infektion hinweist.
- PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion): Kann verwendet werden, um genetisches Material von Toxoplasma gondii in einer Augenprobe nachzuweisen. Dies ist besonders nützlich, wenn der medizinische Befund unsicher ist oder bei negativen Serologietests.
Weitere Untersuchungen
- Ultraschall des Auges: Kann nützlich sein, um Läsionen besser zu visualisieren, insbesondere wenn der Glaskörper trüb ist und die Fundoskopie beeinträchtigt ist.
Insgesamt wird die Diagnose der okulären Toxoplasmose-Infektion in der Regel durch die Kombination der medizinischen Symptome, der Fundoskopie und der serologischen Bestätigung gestellt. In komplizierten Fällen oder wenn die Diagnose unklar ist, können zusätzliche Tests erforderlich sein.
Differentialdiagnostik
Wenn ein Patient Symptome zeigt, die der okulären Toxoplasmose-Infektion ähneln, sollten andere mögliche Ursachen in Betracht gezogen werden, da viele Augenerkrankungen ähnliche klinische Zeichen aufweisen können. Hier sind einige wichtige Differentialdiagnosen:
- Okuläre Tuberkulose: Eine Infektion des Auges mit Mykobakterien, die Entzündungen in verschiedenen Augenstrukturen verursachen kann.
- Herpes-simplex- oder Varizella-zoster-Virus-Retinitis: Virale Infektionen, die Entzündungen und Nekrosen in der Netzhaut verursachen können.
- Zytomegalievirus (CMV) Retinitis: Häufig bei immunsupprimierten Patienten, insbesondere bei HIV-Infizierten.
- Syphilitische Uveitis: Eine bakterielle Infektion durch Treponema pallidum, die zu verschiedenen Augensymptomen führen kann.
- Ocular Behçet’s Disease: Eine systemische Vaskulitis mit wiederkehrenden Uveitis-Schüben.
- Endogene endophthalmitis: Eine bakterielle oder pilzliche Infektion im Inneren des Auges, die oft durch eine systemische Infektionsquelle verursacht wird.
- Sarkoidose: Eine systemische Erkrankung, die Granulome in verschiedenen Organen einschliesslich der Augen bildet.
- Onchorcerciasis (Flussblindheit): Eine parasitäre Infektion, die durch den Biss infizierter Fliegen übertragen wird und Entzündungen in der Haut und im Auge verursachen kann.
- Lymphom des ZNS oder des Auges: Maligne Tumore können Symptome zeigen, die Entzündungen im Auge nachahmen.
- Toxocariasis: Eine parasitäre Infektion, die durch den Verzehr von Eiern des Rundwurms Toxocara verursacht wird, die in kontaminiertem Boden gefunden werden.
- Punktate innerchoroiditis (PIC): Eine entzündliche Erkrankung, die hauptsächlich junge Frauen betrifft und multiple gelblich-weisse Läsionen in der Netzhaut verursacht.
Die genaue Abklärung und Unterscheidung dieser Erkrankungen erfordert eine umfassende Anamnese, eine sorgfältige augenärztliche Untersuchung und gegebenenfalls spezielle Tests oder Bildgebungsverfahren. Die Differentialdiagnose ist besonders wichtig, da die Behandlungsansätze je nach Ursache der Symptome variieren können.
Therapie der okulären Toxoplasmose-Infektion
Die Behandlung der okulären Toxoplasmose zielt darauf ab, den Parasiten zu eliminieren, die Entzündung zu reduzieren und die Ausbreitung von Läsionen zu verhindern. Hier sind die Hauptkomponenten der Therapie:
Antiparasitäre Medikamente
Diese Medikamente sind darauf ausgerichtet, den Parasiten Toxoplasma gondii direkt zu bekämpfen.
- Pyrimethamin: Dies ist ein Antiprotozoen-Medikament, das häufig in Kombination mit anderen Medikamenten verschrieben wird.
- Sulfadiazin: Ein Antibiotikum, das in Kombination mit Pyrimethamin eingesetzt wird.
- Clindamycin: Ein weiteres Antibiotikum, das manchmal als Alternative oder in Kombination mit den obigen Medikamenten verwendet wird.
- Trimethoprim-Sulfamethoxazol (Bactrim, Cotrimoxazol): Ein weiteres Kombinationsantibiotikum, das als Alternative in einigen Fällen verwendet wird.
Kortikosteroide
Diese werden verwendet, um die Entzündung zu reduzieren. Sie sollten jedoch niemals allein verwendet werden, da sie das Wachstum von Toxoplasma fördern können. In der Regel werden sie in Kombination mit antiparasitären Medikamenten verabreicht.
- Prednison: Ein häufig verschriebenes orales Kortikosteroid.
- Topische Steroide: Augentropfen oder Salben, die Kortikosteroide enthalten, können ebenfalls verabreicht werden.
Adjuvante Therapie
- Folsäure: Wird oft zusammen mit Pyrimethamin gegeben, um das Risiko von Nebenwirkungen zu reduzieren, da Pyrimethamin die Folsäuresynthese hemmen kann.
- Mydriatika: Augentropfen, die die Pupille erweitern und helfen, Schmerzen und Verklebungen in der vorderen Augenkammer zu reduzieren.
Chirurgische Optionen
- Vitrektomie: Ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Glaskörper entfernt und durch eine klare Flüssigkeit ersetzt wird. Dies kann bei schwerer Vitritis oder bei Komplikationen wie einer Netzhautablösung erforderlich sein.
Nachsorge und Überwachung: Nach Beginn der Behandlung sollte der Patient engmaschig überwacht werden, um die Wirksamkeit der Therapie zu überprüfen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Die Dauer und Wahl der Therapie kann je nach Schwere der Erkrankung, dem Alter und Gesundheitszustand des Patienten sowie dem Vorhandensein anderer Erkrankungen variieren. Es ist wichtig, dass die Behandlung in enger Absprache mit einem Augenarzt und gegebenenfalls einem Infektionsspezialisten durchgeführt wird.
Prävention
Zur Vorbeugung der Toxoplasmose und insbesondere der okulären Toxoplasmose-Infektion sollten einige grundlegende Hygienemassnahmen beachtet werden:
- Fleisch gründlich kochen oder braten, bis es durchgegart ist
- Hände nach dem Kontakt mit rohem Fleisch oder Erde gründlich waschen
- Katzenkot regelmässig und vorsichtig aus der Katzentoilette entfernen und Handschuhe tragen
- Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich waschen
Zusammenfassung
Die okuläre Toxoplasmose ist eine Infektion und eine spezifische Form der Toxoplasmose, die das Auge betrifft und durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii ausgelöst wird. Häufig ist sie die Ursache für infektiöse Uveitis und kann zu dauerhaften Sehstörungen führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Betroffene bemerken oft Symptome wie verschwommenes Sehen, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und Augenrötung.
Die Erkrankung manifestiert sich klinisch durch charakteristische Zeichen wie retinale Nekrose, die häufig von einer entzündlichen Reaktion im Glaskörper (Vitritis) begleitet wird. Zur Diagnosestellung sind neben der klinischen Untersuchung spezielle Labortests wie Serologie oder PCR erforderlich, um den Erreger nachzuweisen oder auszuschliessen.
Die Therapie ist meist eine Kombination aus antiparasitären Medikamenten, um den Erreger zu bekämpfen, und entzündungshemmenden Medikamenten, um die Symptome zu lindern und weitere Schäden am Auge zu verhindern.
Wichtig ist, dass Patienten bei ersten Anzeichen einer Augeninfektion sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Augenärzte in Chur verfügen über die notwendige Expertise in der Diagnose und Behandlung der okulären Toxoplasmose-Infektion. Mit ihrer umfangreichen Erfahrung und modernen diagnostischen Instrumenten stehen sie Patienten kompetent zur Seite, bieten umfassende Beratung und sorgen für eine adäquate Therapie.