Syphilis und Augen

Kategorien: AugenentzündungPublished On: 21. Februar 2024Von 6,3 min read

Dr. med. Gabriele Valaisaite

Fachärztin für Augenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis

syphilis und augen

Einleitung: Syphilis und Augen

Syphilis, eine durch das Bakterium Treponema pallidum hervorgerufene sexuell übertragbare Infektion, ist seit Jahrhunderten bekannt und bleibt eine globale Gesundheitsherausforderung. Diese Krankheit durchläuft mehrere Stadien, von initialen, oft harmlos wirkenden Symptomen bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Zuständen in ihren späteren Phasen. Ein besonders alarmierendes Merkmal der Syphilis ist ihre Fähigkeit, nahezu jedes Organ im Körper zu infizieren, einschliesslich der Augen, ein Zustand bekannt als okuläre Syphilis. Diese Form der Syphilis kann eine Vielzahl von Augensymptomen verursachen, die, wenn sie unbehandelt bleiben, zu schweren und dauerhaften Sehstörungen führen können. Die subtile und oft irreführende Natur der Krankheit, die dazu neigt, Symptome anderer Erkrankungen nachzuahmen, macht eine genaue Diagnose und rechtzeitige Behandlung unerlässlich.

Ursachen

Die direkte Ursache der okulären Syphilis ist eine Infektion mit Treponema pallidum, demselben Erreger, der die allgemeine Syphilis verursacht. Die Übertragung des Bakteriums erfolgt hauptsächlich durch sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person, bei dem Haut- oder Schleimhautläsionen im Kontakt stehen. Die primären und sekundären Stadien der Syphilis, in denen solche Läsionen am ausgeprägtesten sind, stellen die höchste Ansteckungsgefahr dar. Darüber hinaus kann die Infektion von einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Kind übertragen werden, was zu kongenitaler Syphilis führt. Nach der Infektion kann das Bakterium in den Blutkreislauf gelangen und sich im ganzen Körper ausbreiten, wobei es das Potenzial hat, verschiedene Organe, einschliesslich der Augen, zu befallen und eine Entzündungsreaktion auszulösen.

Symptome der okulären Syphilis

Die Symptomatik der okulären Syphilis kann breit gefächert sein und von leichten Augenreizungen bis zu schwerwiegenden Sehproblemen reichen. Die Betroffenen können über verschwommenes Sehen, Rötungen, Schmerzen, erhöhte Lichtempfindlichkeit und das Auftreten von „Floatern“ oder dunklen Flecken in ihrem Sichtfeld klagen. Diese Symptome können plötzlich auftreten und variieren in ihrer Intensität, was oft zu einer Verzögerung der Diagnose führt, da sie mit einer Vielzahl anderer Augenerkrankungen verwechselt werden können. In schweren Fällen kann die okuläre Syphilis zu irreversiblen Schäden an der Netzhaut und anderen wichtigen Augenstrukturen führen, was einen dauerhaften Sehverlust zur Folge haben kann.

Klinische Zeichen der okulären Syphilis

Die klinischen Zeichen der okulären Syphilis können vielfältig sein und betreffen verschiedene Teile des Auges. Hier sind die Hauptmerkmale aufgelistet:

Uveitis

Keratitis

Chorioretinitis

  • Sehfeldausfälle
  • „Floater“ im Sichtfeld
  • Verschwommenes Sehen
  • Charakteristische „Salz-und-Pfeffer“-Veränderungen im Fundus

Netzhautveränderungen

  • Nekrotisierende Läsionen auf der Retina
  • Vaskulitis der Retinagefässe mit Gefässeinscheidungen, Okklusionen und Blutungen
  • Potenzielle Netzhautablösung

Optikusneuritis

  • Plötzlicher Sehverlust
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Anomale Pupillenreaktionen

Argyll-Robertson-Pupille

  • Fehlende Lichtreaktion der Pupille
  • Erhaltene Akkommodationsreaktion (Verengung der Pupille beim Blick auf nahe Objekte)
  • Oft assoziiert mit neurosyphilitischen Manifestationen

Diese klinischen Zeichen erfordern eine detaillierte augenärztliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Tests, um eine genaue Diagnose zu stellen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Diagnose

Die Diagnose der okulären Syphilis ist komplex und erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und eine Reihe spezifischer Tests. Blutuntersuchungen zum Nachweis von Syphilis-Antikörpern sind grundlegend, können jedoch durch augenärztliche Untersuchungen ergänzt werden, um den Umfang der Augenbeteiligung zu bestimmen. Moderne bildgebende Verfahren wie die optische Kohärenztomographie (OCT) und die Fluoreszenzangiographie können dabei helfen, die Diagnose zu verfeinern, indem sie detaillierte Bilder des Augeninneren liefern. In einigen Fällen kann eine Lumbalpunktion notwendig sein, um eine Beteiligung des zentralen Nervensystems auszuschliessen oder zu bestätigen, da okuläre Syphilis häufig mit neurosyphilitischen Manifestationen einhergeht.

Differentialdiagnosen

Die Differentialdiagnosen der okulären Syphilis umfassen eine Vielzahl anderer Zustände, die ähnliche Augensymptome hervorrufen können. Es ist wichtig, diese Bedingungen in Betracht zu ziehen, um eine korrekte Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten. Zu den häufigsten Differentialdiagnosen gehören:

  • Uveitis anderer Ursache: Uveitis kann durch eine Vielzahl von infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen ausgelöst werden, darunter Autoimmunerkrankungen, andere Infektionen wie Herpesviren oder Tuberkulose und idiopathische Ursachen.
  • Sarkoidose: Eine systemische Erkrankung, die Granulome in verschiedenen Organen, einschliesslich des Auges, verursachen kann und zu Symptomen führt, die der okulären Syphilis ähneln können.
  • Toxoplasmose Retinochoroiditis: Eine Infektion, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii verursacht wird, und häufig die Retina betrifft, was zu Läsionen führt, die denen der syphilitischen Chorioretinitis ähneln können.
  • Behçet-Krankheit: Eine seltene entzündliche Erkrankung, die zu Uveitis und anderen Augenentzündungen führen kann, ähnlich denen, die bei okulärer Syphilis beobachtet werden.
  • HIV-assoziierte Retinopathie: Bei HIV-positiven Patienten können verschiedene Augenkomplikationen auftreten, die Symptome ähnlich denen der okulären Syphilis verursachen können.
  • Tuberkulose: Eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis kann ebenfalls eine Uveitis und andere okuläre Manifestationen hervorrufen, die denen der Syphilis ähneln.
  • Multiple Sklerose und andere demyelinisierende Erkrankungen: Diese können zu Optikusneuritis führen, was differentialdiagnostisch von einer durch Syphilis verursachten Optikusneuritis unterschieden werden muss.
  • Lyme-Borreliose: Eine durch Zecken übertragene Infektion, die ebenfalls eine Vielzahl von Augensymptomen, einschliesslich Uveitis und Keratitis, verursachen kann.
  • Endogene Endophthalmitis: Eine Entzündung im Auge, die durch eine systemische Infektion verursacht wird und zu Symptomen führen kann, die denen der okulären Syphilis ähnlich sind.

Die korrekte Diagnose erfordert eine sorgfältige Anamnese, klinische Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche diagnostische Tests, um zwischen diesen Zuständen zu unterscheiden und die am besten geeignete Behandlung zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung der okulären Syphilis erfordert einen aggressiven Ansatz, wobei intravenöse oder intramuskuläre Penicillin-Injektionen die bevorzugte Methode darstellen. Die Therapiedauer kann je nach Schweregrad der Symptome und dem Stadium der Erkrankung variieren, wobei eine langfristige Überwachung erforderlich ist, um Rückfälle zu vermeiden. Bei Personen, die allergisch auf Penicillin reagieren, können alternative Antibiotikaregime angewendet werden. Neben der antibiotischen Therapie können entzündungshemmende Medikamente verschrieben werden, um die Augensymptome zu lindern und den Heilungsprozess zu unterstützen. Die frühzeitige und konsequente Behandlung ist entscheidend, um langfristige Sehschäden zu verhindern und eine vollständige Genesung zu fördern.

Prognose

Die Prognose für Personen mit okulärer Syphilis ist bei frühzeitiger Diagnose und angemessener Behandlung generell gut. Die meisten Patienten erleben eine signifikante Verbesserung ihrer Symptome und eine Wiederherstellung der Sehfunktion. Ohne Behandlung oder bei verzögerter Therapie kann die Erkrankung jedoch zu dauerhaften Sehbeeinträchtigungen oder vollständigem Sehverlust führen. Die langfristige Überwachung ist wichtig, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, wodurch die Chancen auf eine erfolgreiche Erholung erhöht werden.

Prävention

Die Prävention von okulärer Syphilis erfordert ein umfassendes Verständnis und die Umsetzung sicherer Sexualpraktiken, einschliesslich der Verwendung von Kondomen und regelmässigen STI-Screenings, insbesondere bei Personen mit hohem Risiko. Die Aufklärung über die Risiken und Symptome von Syphilis ist entscheidend, um die Früherkennung und Behandlung zu fördern und die Übertragung zu reduzieren. Schwangere Frauen sollten ebenfalls auf Syphilis getestet werden, um eine Übertragung auf das ungeborene Kind zu vermeiden.

Fazit zum Thema Augen und Syphilis

Okuläre Syphilis ist eine ernsthafte und potenziell visionbedrohende Manifestation einer Syphilisinfektion, die eine sofortige medizinische Intervention erfordert. Die Vielfalt der Symptome und die Möglichkeit einer Verwechslung mit anderen Augenkrankheiten machen eine sorgfältige Diagnose und schnelle Behandlung unerlässlich, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Durch Prävention, Bewusstsein und Zugang zu effektiven Behandlungsmöglichkeiten können Individuen ihre Augengesundheit schützen und die Ausbreitung dieser alten, aber immer noch relevanten Krankheit eindämmen.

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