Optische Phänomene

Kategorien: SehproblemePublished On: 22. Mai 2022Von 4,1 min read

Dr. med. Richard Nagy

Ärztlicher Leiter, Facharzt für Augenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis

optische phaenomene

„Optische Phänomene“ können gefährliche visuelle Wahrnehmungsstörungen sein

Durch Erkrankungen der Augen kann die optische Wahrnehmung kurz- oder langfristig arg gestört werden. Ob es sich um eine harmlose Überreizung oder um einen augenärztlichen Notfall handelt, ist eine Frage, die ausschliesslich der Augenarzt beantworten kann. Gut zu wissen, dass bestimmte Augenkrankheiten ganz charakteristische, also fast eindeutige Beschwerden hervorrufen. Sehen wir uns dazu ein paar dieser optischen Phänomene an, die dringend den Besuch eines Augenarztes erfordern.

Lichtblitze nicht unterschätzen

Wenn plötzliches Aufleuchten von Licht wahrgenommen wird, spricht der Augenarzt von einer Photopsie. Verursacht wird diese Wahrnehmungsstörung oftmals durch Zugkräfte, die auf die Netzhaut (Retina) einwirken. In diesem Fall ist ein Einriss oder eine Ablösung der Netzhaut (Amotio retinae) nicht auszuschliessen. Die hellen Lichtblitze, die der Betroffene wahrnimmt, gehen typischerweise von einer bestimmten Stelle im Gesichtsfeld aus. In Dunkelheit oder bei geschlossenen Augen ist diese visuelle Täuschung besonders auffällig.

Russregen – ebenfalls ein bedenkliches optisches Phänomen

Wenn Blutgefässe im Auge einreissen, kann es zu einer Glaskörperblutung kommen. Was man dann sieht, sind zum Beispiel schwarze Punkte oder auch fleckenförmige Objekte und Strukturen, die sich bewegen. Bei solchen Anzeichen muss mit einer beginnenden Netzhautablösung gerechnet werden. Eigentlich ist der Glaskörper eine fast zellfreie, transparente Struktur. Die visuelle Wahrnehmungsstörung Lichtdurchlässigkeit, also Opazität, ist die Folge von Zell-Projektionen aus dem präretinalen Bereich auf die Netzhaut.

Fliegende Mücken beziehungsweise Mouches volantes

Hierbei handelt es sich um die Wahrnehmung auffälliger dunkler, sich bewegender Strukturen wie Punkte, Striche oder Fäden, die sich beim Lesen oder beim Blick auf eine helle Fläche noch intensivieren. Diese „Floater“ bewegen sich stets im Gesichtsfeld mit der Blickrichtung des Betrachters mit und führen zu einer Störung der visuellen Wahrnehmung.

Als Ursachen dafür kommen infrage:

  • harmlose Trübungen durch die normale Alterung des Glaskörpers
  • geringfügige Blutungen aufgrund schweren Hebens oder heftigen Hustens
  • eine hintere Glaskörperabhebung

Bei Letzterer treten oftmals zusätzliche Lichtblitze auf, die als Hinweis auf eine mögliche Netzhautablösung angesehen werden sollten. Deren Wahrscheinlichkeit erhöht sich bei einer Kurzsichtigkeit noch.

Augenflimmern oder Flimmerskotom

Wenn ein Teil des Gesichtsfeldes ausfällt und helle, flimmernde Lichtflecke wahrgenommen werden, die sich ausdehnen oder wandern, liegt sehr wahrscheinlich ein Flimmerskotom vor. Diese visuelle Täuschung kann bis zu einer Stunde währen, bildet sich dann aber wieder von selbst zurück. Wer schon einmal eine Migräne ophthalmique hatte, kennt das, was hier beschrieben wurde. Zum Glück hat dieses optische Phänomen keinen Effekt auf die Augengesundheit. Wer dennoch Linien oder Strukturen von Gegenständen sieht, die nur im Kopf des Betrachters vorhanden sind und nur eine Illusion sind, sollte zum Augenarzt gehen.

Schatten, fallender Vorhang oder aufsteigende dunkle Mauer

Derartige Störungen der visuellen Wahrnehmung deuten mit ziemlicher Sicherheit auf eine Netzhautablösung hin. Der noch intakte Teil der Netzhaut wird von dem abgelösten Stück mehr oder weniger „abgeschattet“. In diesem Fall muss umgehend der Augenarzt aufgesucht werden.

Ursachen für einen partiellen Gesichtsfeldausfall (Skotom)

Die Liste der möglichen Ursachen für einen Sehverlust in Teilen des Gesichtsfeldes ist etwas länger. Infrage kommen hierfür Erkrankungen im Bereich der Augen oder entlang des Verlaufes der Sehbahn, die visuelle Signale blitzschnell an das Gehirn weiterleitet. Mögliche Erkrankungen wären:

  • Glaukome
  • verstopfte Blutgefässe
  • Netzhautablösungen
  • Augentumore
  • Schädigungen des Sehnervs
  • Tumore im Umfeld der Sehbahn
  • unzureichende Blutversorgung oder Blutungen im visuellen Kortex

Von Gesichtsfeldausfällen kann entweder nur ein Auge oder auch beide Augen gleichzeitig betroffen sein. Die dabei wahrgenommenen dunklen Flecken sind in dieser Weise zu unterscheiden:

  • Blinder Fleck
    Das physiologische beziehungsweise natürliche Skotom ergibt sich an der Stelle des Austritts des Sehnervs aus dem Auge.
  • Zentralskotom
    Der Sehverlust in der Mitte des Gesichtsfeldes bedeutet in der Regel eine schwere Sehbehinderung.
  • Flimmerndes Skotom
    Reduktion der Sicht durch flackernde, flimmernde Strukturen, häufig ausgelöst durch Migräne.
  • Bogenskotom
    Der Verlust des Bogensehens tritt häufig bei einem Glaukom ein.

Zusammenfassung

Wie wir Dinge wahrnehmen, hängt von der Fähigkeit unseres Gehirns ab, die von den Augen erfassten Informationen zu verarbeiten. Bei optischen Phänomenen, wie wir sie hier kurz vorgestellt haben, kann es sich lediglich um harmlose, vorübergehende oder manchmal altersbedingte Veränderungen im Auge handeln. Optische Phänomene können aber auch bei Kindern auftreten. Es ist fast immer wichtig, dass ein Augenarzt so schnell wie möglich die wahre Ursache abklärt, da solche Phänomene auf seriöse Probleme hindeuten können. Eine Netzhautablösung kann z. B. zu einer vollständigen Erblindung führen. Am besten ist es, falls eines dieser Phänomene vorhanden ist und Sie weitere Schwierigkeiten mit der visuellen Wahrnehmung haben, Ihre Augen durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu schützen, um eine frühzeitige Erkennung von Krankheiten und Therapie zu ermöglichen.

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