Okuläre Hypertension
Dr. med. Richard Nagy
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Inhaltsverzeichnis

Okuläre Hypertension: Definition und Grundlagen
Okuläre Hypertension bedeutet, dass der intraokulare Druck (IOD), also der Druck im Auge, konstant über dem normalen Niveau liegt. Dieser Zustand ist besonders beunruhigend, da er oft keine Anzeichen zeigt und unbemerkt bleibt, bis er signifikante Schäden verursacht. Der normale Augeninnendruck beträgt liegt zwischen 10 und 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule = Einheit des Drucks), und Werte darüber werden als IOD eingestuft. Es ist entscheidend, diesen Zustand von Glaukom zu unterscheiden, obwohl er ein Risikofaktor für die Entwicklung dieser ernsteren Augenkrankheit ist, die zu Sehverlust führen kann. Die Früherkennung und Überwachung des IOD sind daher von grösster Bedeutung, um potenzielle Augenschäden zu verhindern.
Mediziner beobachten die okuläre Hypertension in vielen Fällen zunächst, wenn keine weiteren Risikofaktoren für ein Glaukom vorliegen. Zu diesen Faktoren zählen beispielsweise enge Verwandte mit einem Glaukom, stark ausgeprägte Kurzsichtigkeit oder eine dünnere Hornhaut.
Ursachen und Risikofaktoren
Die IOD tritt auf, wenn der normale Abfluss der Flüssigkeit im Auge gestört ist oder wenn eine übermäßige Kammerwasserproduktion im Ziliarkörper vorliegt. In beiden Fällen geraten diese Prozesse aus dem Gleichgewicht. Wenn die Produktion von Kammerwasser größer ist als der Abfluss, führt dies zu einem Anstieg des Augeninnendrucks.
Die okuläre Hypertension kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, die das Risiko für ihre Entwicklung erhöhen. Zu den häufigsten Faktoren gehören:
- Alter: Das Risiko für okuläre Hypertension steigt mit zunehmendem Alter, besonders bei Personen über 40 Jahren.
- Ethnische Zugehörigkeit: Ethnische Gruppen wie Afroamerikaner und Hispanier haben ein erhöhtes Risiko für diese Krankheit.
- Genetische Faktoren: Eine Familiengeschichte von Grünem Star oder okulärer Hypertension kann das Risiko deutlich erhöhen.
- Medizinische Bedingungen: Diabetes, hohe Myopie und andere Augenerkrankungen können das Risiko beeinflussen.
- Medikamenteneinnahme: Insbesondere die langfristige Verwendung von Steroiden kann zu erhöhtem Augeninnendruck führen.
- Hornhautdicke: Abweichungen in der Hornhautdicke können die Messgenauigkeit des IOD beeinflussen.
Symptome und Anzeichen
Okuläre Hypertension zeigt in der Regel keine sofort erkennbaren Symptome. Wenn Anzeichen auftreten, können sie folgende sein:
- Leichte Augenschmerzen
- Milde Sehstörungen
- Kopfschmerzen
- Rötung der Augen
- Schwankungen in der Sehschärfe
- Gesichtsfeldausfälle
Diese Anzeichen sind jedoch eher selten und treten in der Regel nur bei sehr hohen IOD-Werten auf. Die symptomfreie Natur der Krankheit macht Untersuchungen der Augen in regelmäßigen Abständen unerlässlich für die Früherkennung.
Diagnostische Verfahren
Die Diagnose der Krankheit erfolgt hauptsächlich durch die Messung des erhöhten Augeninnendrucks, der Augenspiegelung, Tonometrie oder der Perimetrie. Hierfür werden spezialisierte Instrumente wie das Applanationstonometer oder das Non-Contact-Tonometer verwendet. Auch die Gonioskopie wird eingesetzt. Das ist die Untersuchung des Kammerwinkel im Auge, welcher eine anatomische Struktur zwischen der Hornhaut und der Iris ist.
Zusätzliche Augenuntersuchung können den Sehnerv und das Gesichtsfeld umfassen, um Anzeichen einer Entwicklung eines Glaukoms frühzeitig zu erkennen. Die Messung der Hornhautdicke kann auch wichtig sein, da sie die Genauigkeit der IOD-Messungen beeinflussen kann.
Verlauf
Der Verlauf der okulären Hypertension kann individuell stark variieren, und nicht jeder mit dieser Krankheit entwickelt letztlich Glaukom (Grüner Star) oder andere schwere Augenprobleme. Hier eine allgemeine Beschreibung des Krankheitsverlaufs:
- Anfangsphase: Die okuläre Hypertension beginnt in der Regel mit einem Augeninnendruck von über 21 mmHg, wobei dieser Zustand oft keine unmittelbaren Anzeichen verursacht und meist zufällig bei Routine-Untersuchungen festgestellt wird.
- Fortgeschrittene Phase: Nach der Diagnose erfolgt eine kontinuierliche Überwachung des erhöhten Drucks im Auge. Ärzte bewerten das Risiko für die Entwicklung von Grünem Star basierend auf verschiedenen Faktoren wie Höhe des Augeninnendrucks, Familiengeschichte und ethnischen Zugehörigkeiten. In einigen Fällen können bereits in dieser Phase Medikamente zur Senkung des Augeninnendrucks verschrieben werden.
- Langzeitüberwachung: Patienten mit okulärer Hypertension unterziehen sich kontinuierliche Untersuchungen, um Veränderungen im Augeninnendruck, im Sehnerv und im Gesichtsfeld zu überwachen. Die Therapie kann je nach Krankheitsverlauf und Ansprechen auf Medikamente angepasst werden.
- Mögliche Komplikationen: Ein Teil der Patienten mit okulärer Hypertension entwickelt im Laufe der Zeit Glaukom, was unbehandelt zu einem fortschreitenden Verlust des Sehvermögens bis hin zur vollständigen Erblindung führen kann.
- Stabile Phase: Bei einigen Patienten bleibt der Zustand stabil und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Andere benötigen möglicherweise eine langfristige Therapie, um den Augeninnendruck zu kontrollieren und das Sehvermögen zu erhalten.
Es ist wichtig, den individuellen Verlauf der Krankheit durch kontinuierliche augenärztliche Kontrollen im Auge zu behalten, um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnosen bei okulärer Hypertension beziehen sich auf andere medizinische Zustände, die ähnliche Anzeichen oder Merkmale aufweisen können. Es ist wichtig, diese Zustände zu unterscheiden, da sie unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern. Hier sind einige der wichtigsten Differentialdiagnosen:
- Primäres Offenwinkelglaukom (POWG): Dies ist wahrscheinlich die wichtigste Differentialdiagnose. POWG ist eine fortschreitende Augenkrankheit, die durch Schädigung des Sehnervs und Gesichtsfeldverlust gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zur okulären Hypertension, bei der der Augeninnendruck erhöht ist, ohne dass Schäden am Sehnerv sichtbar sind, zeigt POWG typischerweise Anzeichen einer Sehnervschädigung.
- Engwinkelglaukom: Hierbei handelt es sich um eine andere Form des Glaukoms, bei der der Abfluss des Kammerwassers physisch blockiert wird, was zu einem plötzlichen Anstieg des Augeninnendrucks führt. Die Anzeichen können sehr akut sein und schliessen starke Augenschmerzen, Übelkeit und verschwommenes Sehen ein.
- Sekundärglaukome: Diese Gruppe von Glaukomen tritt als Folge anderer Augenerkrankungen oder systemischer Erkrankungen auf. Beispiele sind Pigmentdispersionsglaukom und Pseudoexfoliationsglaukom. Diese Zustände können zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks führen und müssen von der primären okulären Hypertension unterschieden werden.
- Ophthalmologische Hypertension aufgrund von Medikamenten: Bestimmte Medikamente, insbesondere Kortikosteroide, können einen höheren Augeninnendruck verursachen. Die Unterscheidung, ob der hohe Druck medikamentös bedingt ist oder eine unabhängige okuläre Hypertension vorliegt, ist für die Behandlungsplanung entscheidend.
- Okuläre Pseudohypertension: Dies ist ein Zustand, bei dem der Augeninnendruck fälschlicherweise als hoch gemessen wird. Dies kann aufgrund einer ungewöhnlich dicken Hornhaut auftreten, wodurch die Standardmessmethoden des Augeninnendrucks ungenaue Ergebnisse liefern.
- Uveitis und andere entzündliche Augenerkrankungen: Diese Erkrankungen können zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks führen. Sie sind jedoch in der Regel durch zusätzliche Symptome wie Rötung des Auges, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit gekennzeichnet.
Bei der Bewertung und Behandlung eines Patienten mit okulärer Hypertension ist es wichtig, diese und andere mögliche Differentialdiagnosen in Betracht zu ziehen, um eine genaue Diagnose zu stellen und eine effektive Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Behandlungsansätze und Management
Die Behandlung zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken und das Risiko für Glaukom zu minimieren. Die gängigsten Behandlungsmethoden umfassen:
- Medikamentöse Therapie: Einsatz von Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks.
- Kontinuierliche Überwachung: Kontinuierliche Überwachung des Augeninnendrucks und der Sehnervgesundheit.
- Chirurgische Eingriffe: In einigen Fällen können chirurgische Operationen oder Laserbehandlungen erforderlich sein.
- Lebensstiländerungen: Ernährungsumstellungen und regelmässige körperliche Aktivität können unterstützend wirken.
Präventive Massnahmen und Langzeitbetrachtung
Zur Prävention von okulärer Hypertension ist die kontinuierliche Überwachung des Augeninnendrucks durch Augenuntersuchungen entscheidend. Ein gesunder Lebensstil kann ebenfalls dazu beitragen, das Risiko zu senken. Für Personen mit einem erhöhten Risiko, wie ältere Menschen oder solche mit einer familiären Vorgeschichte von Glaukom, ist besondere Vorsicht geboten.
Okuläre Hypertension: Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Okuläre Hypertension ist ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem, das ohne angemessene Diagnose und Behandlung zu schwerwiegenden Augenerkrankungen führen kann. Die Früherkennung durch kontinuierliche Augenuntersuchungen ist entscheidend, um das Risiko für Glaukom und andere Augenprobleme zu minimieren. Die Churer Augenärzte sind auf diesem Gebiet Spezialisten und bieten umfassende Untersuchungen und Beratungen an. Sie stehen zur Verfügung, um Fragen zu Augendruck, Glaukom und anderen augenbezogenen Gesundheitsfragen zu beantworten und individuelle Behandlungspläne zu entwickeln. Die Expertise des Augenarzt ist besonders wertvoll, da okuläre Hypertension eine komplexe Erkrankung ist, die eine spezialisierte Betreuung erfordert.