Makulaloch (Makulaforamen)

Kategorien: Augen-InformationenPublished On: 7. Juli 2022Von 5,3 min read

Dr. med. Richard Nagy

Ärztlicher Leiter, Facharzt für Augenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis

makulaloch

Was ist ein Makulaloch?

Ein Makulaloch (wissenschaftlich Makulaforamen) ist ein Loch im zentralen Bereich der Netzhaut, der Makula. Die Makula ist eine sehr kleine Stelle in der Mitte der Netzhaut an der Rückseite des Augapfels, die für das detaillierte zentrale Sehen von entscheidender Bedeutung ist. So ist die Makula etwa dafür verantwortlich, dass wir kleine Schriften lesen, Details erkennen und Gesichter weit entfernter Personen sehen können.

Daher führt ein Makulaloch zu einer wesentlichen Verschlechterung der Sehschärfe. So kann die Fähigkeit, kleine Schriften zu lesen, beim betroffenen Auge durch das Loch in der Makula vollständig verloren gehen. Die Gefahr einer vollständigen Erblindung besteht dadurch jedoch nicht, da der grösste Teil der Netzhaut, die für das periphere Sehen und die Wahrnehmung von Bewegungen verantwortlich ist, nicht vom Makulaforamen betroffen ist.

Wie entsteht ein Makulaloch?

Die Ursache der Entstehung eines Makulalochs ist nicht genau bekannt, daher kann auch keine Prävention empfohlen werden. Hormonelle Faktoren könnten bei der Entstehung eines Makulalochs ebenso eine Rolle spielen wie Prozesse auf der Oberfläche der Netzhaut. Mit zunehmendem alter der Netzhaut, kann eine dünne (epiretinale) Membran aus narbenartigem Gewebe bilden. Auch eine diabetische Erkrankung des Auges, eine extreme Kurzsichtigkeit oder eine Verletzung des Auges kann Ursache einer Epiretinale Membran sein uns zu einem Makulaloch führen.

Da ein Makulaloch in den meisten Fällen bei älteren Menschen (etwa ab einem Alter von 60 Jahren) auftritt, dürften altersbedingte Veränderungen im Auge eine Rolle spielen. Frauen sind ungefähr doppelt so oft von einem Makulaloch betroffen wie Männer.

Von zentraler Bedeutung für die Entstehung eines Makulaforamens ist der Glaskörper, eine gelartige Substanz, die den hinteren Teil des Augapfels ausfüllt. Mit zunehmendem Alter kann der Glaskörper schrumpfen oder sich verflüssigen. Das ist an sich nicht problematisch, allerdings können dadurch die winzigen Kollagenstränge, mit denen der Glaskörper mit der Netzhaut verbunden ist, eine Zugbelastung auf die Netzhaut ausüben.

Durch diese Zugbelastung kann sich die Makula in ihrer Mitte von der Augenrückseite ablösen. Durch ein Auseinanderweichen der Netzhautzellen entsteht dann das Makulaforamen. Meist tritt das Makulaloch nur an einem Auge auf; die Wahrscheinlichkeit, dass auch am zweiten Auge irgendwann ein Makulaloch auftritt, ist mit 5-10 Prozent aber recht hoch.

In welchen Stadien verläuft die Krankheit?

Die Entstehung eines Makulalochs wird in fünf Stadien eingeteilt:

  • Im Stadium 0 beginnt der Glaskörper, sich von der Fovea (der Mitte der Makula) abzulösen. Die Sehkraft ist in diesem Stadium noch nicht beeinträchtigt.
  • Im Stadium 1 werden die ersten Symptome wie eine Verschlechterung des Sehens spürbar. In diesem Stadium besteht noch die Aussicht, dass sich das Makulaloch von selbst schliesst.
  • Stadium 2 ist ein erstes echtes Loch in der Makula mit einem Durchmesser von weniger als 400 Mikrometern. Das Fortschreiten von Stadium 1 zu Stadium 2 ist mit einer weiteren Zunahme der Sehverschlechterung verbunden.
  • In Stadium 3 ist das Makulaloch vollständig entwickelt und typischerweise von einer verdickten Netzhaut umgeben.
  • In Stadium 4 hat sich der Glaskörper vollständig vom Sehnerv und von der Makula gelöst.

Welche Symptone weisen auf ein Makulaloch hin?

Die Entstehung eines Makulaforamens ist ein langsamer Prozess, der in der Regel einige Wochen dauert. Die Patienten stellen zunächst meist eine Herabsetzung ihrer Lesefähigkeit fest, gerade Linien werden als verzerrt oder gewellt wahrgenommen. Das periphere Gesichtsfeld ist durch das Makulaloch jedoch nicht betroffen.

Da die Erfolgsaussichten einer Behandlung umso grösser sind, je früher diese erfolgt, ist eine rechtzeitige Diagnose des Makulaforamens von entscheidender Bedeutung. Die Diagnose erfolgt durch eine OCT-Untersuchung, die ein eindeutiges Bild ergibt. Eine rechtzeitige Diagnose ist entscheidend für den Erfolg einer Behandlung, da die Heilungschancen mit zunehmender Dauer des Bestehens geringer werden.

Wie kann ein Makulaloch behandelt werden?

Wird das Makulaloch nicht behandelt, bleibt das Sehvermögen des betroffenen Auges dauerhaft verschlechtert, der Prozess kann auch weiter fortschreiten. In sehr seltenen Fällen kann sich ein Makulaloch von selbst zurückbilden. Diese Selbstheilung ist jedoch so unwahrscheinlich, dass in jedem Fall zu einer Behandlung geraten wird, da sich die Sehfähigkeit sonst meist weiter verschlechtert. Ein Makulaforamen muss in jedem Fall chirurgisch behandelt werden, medikamentöse Behandlungen haben sich nicht bewährt.

Bei der Operation (der sogenannten Vitrektomie) wird der Glaskörper aus dem Inneren des Auges entfernt, um Zugang zur Netzhaut zu erhalten. Diese wird unter dem Operationsmikroskop so präpariert, dass die Makula von der Zugwirkung befreit wird und wieder am Augenhintergrund anliegen kann. Danach wird das Auge mit einem speziellen Gas gefüllt. Dadurch wird die Makula an den Augenhintergrund gedrückt, wordurch sich das Makulaloch in den meisten Fällen von selbst wieder schliesst. Meist wird bei diesem Eingriff auch gleich eine künstliche Linse eingesetzt, da das Auftreten einer Linsentrübung eine häufige Komplikation bei dieser Operationsmethode ist. Diese Operation, auch Vitrektomie genannt, des Makulalochs wird von einem darauf spezialisierten Augenchirurgen unter Vollnarkose minimalinvasiv durchgeführt.

Nach der Operation muss der Pateint für einige Tage den Kopf stets nach unten halten bzw. auf dem Bauch liegen, damit die Gas-Luft-Blase die Makula effektiv andrücken kann. Durch diesen Druck kann das Makulaloch abheilen. Die Gas-Luft-Blase verschwindet im Lauf der Zeit von selbst und wird dabei durch die natürliche Augenflüssigkeit ersetzt.

In den meisten Fällen ist nach diesem Eingriff eine weitgehende Wiederherstellung der Sehfähigkeit nach einem Makulaloch gegeben: Ca. 75. Prozent der so behandelten Patienten sehen nach der Operation wieder wesentlich besser. Die Wiederherstlellung der Sehfähigkeit erfolgt jedoch nur langsam, meist in einem Zeitrahmen von einigen Wochen. Zwar kann die Sehfähigkeit in der Regel nicht vollständig wiederhergestellt werden, meist bleiben aber nur leichte Symptome zurück. Garantiert werden kann dies jedoch nicht. Eine Verschlechterung der Sehfähigkeit nach der Operation ist jedoch sehr selten.

Die Methode hat sich vielfach bewährt und wird an vielen Augenkliniken routinemässig durchgeführt. Die Risiken gelten als entsprechend gering. In Anbetracht der guten Erfolgsaussichten wird die Operation des Makulaloches im Allgemeinen empfohlen. Da bei den Patienten mit einer stark erhöhten Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent auch am zweiten Auge irgendwann ein Makulaloch auftritt, ist eine häufige augenärztliche Untersuchung auch nach erfolgreicher Behandlung unbedingt nötig.

Unsere Augenärzte in Chur führen sehr gerne bei Ihnen die regelmässigen Augenuntersuchung durch. Bei einem Problem leiten wir sofort die Therapie ein.

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