Hornhaut-transplantation: Gründe, Ablauf und Nachsorge

Kategorien: Augenärztliche BehandlungPublished On: 25. August 2022Von 6,2 min read

Dr. med. Richard Nagy

Ärztlicher Leiter, Facharzt für Augenheilkunde

Mehr über mich und meine Karriere finden Sie auf meiner Profilseite

Teilen Sie diesen Artikel!

Dr. med. Richard Nagy

Ärztlicher Leiter, Facharzt für Augenheilkunde

Mehr über mich und meine Karriere finden Sie auf meiner Profilseite

Teilen Sie diesen Artikel!

Inhaltsverzeichnis

hornhauttransplantation

Was ist eine Hornhauttransplantation?

Die Hornhauttransplantation wird in der medizinischen Fachsprache als Keratoplastik bezeichnet. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn die Hornhaut des Patienten erkrankt und dadurch das Sehvermögen stark eingeschränkt ist. Dann ersetzt der Operateur diese kranke Hornhaut durch gesundes Gewebe. Es wird die Hornhaut eines Organspenders genutzt. Ziel der Hornhauttransplantation ist es, das Sehvermögen zu verbessern beziehungsweise wiederherzustellen. In vielen Fällen ist die Hornhautverpflanzung die letzte Möglichkeit, das Erblinden des Patienten zu verhindern und zu neuer Sehkraft zu verhelfen.

Bei welchen Hornhauterkrankungen muss eine Hornhauttransplantation durchgeführt werden?

Die menschliche Hornhaut ist der vordere Teil des Auges, der sich unmittelbar vor der Augenlinse befindet. Ist sie in ihrer Funktion eingeschränkt, hat das eine deutliche Minderung der Sehkraft zur Folge. Die Hornhautverpflanzung kann bei vielen Erkrankungen der Hornhaut erfolgreich eingesetzt werden. Häufige Indikationen für eine Hornhauttransplantation sind Trübungen, Hornhautnarben, eine unregelmäßige Verformung bzw. Wölbung (z. B. Keratokonus), Infektionen der Hornhaut, Geschwüre oder angeborene Funktionsstörungen der Hornhaut. Unter Keratokonus versteht man eine fortschreitende Ausdünnung, Verformung bzw. Vorwölbung der Hornhaut des Auges (Cornea). In diesem Fällen wird in der Regel eine Hornhauttransplantation vorgenommen. Grundsätzlich kommt diese Operationsmethode immer dann zum Einsatz, wenn die Funktionsweise der Hornhaut in irgendeiner Form beeinträchtigt ist.

Bei fortschreitenden Augeninfektionen und -Erkrankungen kann das ebenso der Fall sein wie bei Vernarbungen, Kalk- oder Wassereinlagerungen. Dann wird die kranke Hornhaut chirurgisch in einer Augenklinik entfernt und eine gesunde menschliche Hornhaut verpflanzt. Alle perforierenden Verletzungen der Hornhaut gelten als medizinischer Notfall: Auch dann wird eine Hornhauttransplantation vorgenommen.

Unter welchen Voraussetzungen finden die Transplantation der Hornhaut statt?

Damit die Hornhautverpflanzung stattfinden kann, muss natürlich eine geeignete Hornhaut gefunden werden. Verantwortlich dafür, einen geeigneten Spender zu finden, sind die Hornhautbanken. In diesen Banken wird das einem Verstorbenen entnommene Auge aufbereitet und das Transplantat für die Transplantation vorbereitet. Nicht nur das Vorhandensein von passendem Spendermaterial ist eine Grundvoraussetzung für die Hornhautverpflanzung. Auch muss das Auge des Empfängers in gutem Zustand und bereit für die neue Hornhaut sein. Dabei sind vor allem drei Faktoren von entscheidender Bedeutung:

  • die Netzhaut muss intakt sein
  • der Patient muss einen normalen Augeninnendruck haben
  • es muss eine normale Tränenproduktion gegeben sein

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht einer Hornhauttransplantation nichts im Wege. Allerdings sollten Patienten von einer langen Wartezeit ausgehen; diese beträgt durchschnittlich ein Jahr.

Welche Operationsarten gibt es?

Für die Hornhauttransplantation stehen verschiedene Operationsmethoden zur Auswahl. Je nachdem, welche Variante gewählt wird, erfolgt diese unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose. Der Operateur entscheidet sich wahlweise für die perforierende Keratoplastik oder die lamelläre Hornhauttransplantation (DMEK, DSAEK, DALK). Bei der perforierenden Hornhauttransplantation ersetzt der Chirurg das Gewebe in seiner vollen Dicke, während bei der lamellären Variante nur Teil-Schichten ersetzt werden.

Diese Variante hat den Vorteil, dass die gesunden Hornhautschichten erhalten bleiben. Befinden sich krankhafte Hornhautveränderungen nur in der hinteren oder vorderen Hornhaut-Schicht, wird dieses Verfahren bevorzugt. Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist, dass das Abstossungsreaktionen kaum vorkommen können. Nähte sind bei dieser Methode nicht notwendig, so dass der Heilungsprozess deutlich schneller vonstatten geht.

Anders die perforierende Keratoplastik: Bei dieser Methode schneidet der Operateur ein rundes Stück des beschädigten Gewebes heraus und ersetzt es durch die Spenderhornhaut. Diese wird mit einem sehr feinen Material eingenäht. Häufig wird diese Methode in Kombination mit dem Linsentausch oder der Entfernung des Glaskörpers durchgeführt. Hier gibt es fast keine Komplikationen, wenn die Spenderhornhaut in einer Hornhautbank kultiviert worden ist.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Der Spender von Hornhaut muss zu Lebzeiten einen Organspenderausweis ausfüllen, indem er sich bereiterklärt, im Todesfall seine Hornhaut zu spenden. Leider ist die Spendenbereitschaft nicht sehr hoch, was lange Wartezeiten auf ein Spenderorgan mit sich bringt. Da das Angebot an Hornhautspendern vergleichsweise gering ist, gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Schädigungen der Hornhaut. Es ist zum Beispiel möglich, die geschädigten Zellen durch körpereigene Stammzellen zu rekonstruieren. Auch dieses Verfahren ist allerdings sehr zeitintensiv und aufwändig. Ein Vorteil dabei: Die Gefahr der Abstossung ist gering, denn es handelt sich um körpereigenes Gewebe.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Unmittelbar nach dem Eingriff in einer Augenklinik muss sich der Patient in Bettruhe begeben und sollte die nächsten 24 Stunden auf dem Rücken liegen. Der Verband kann in der Regel bereits am nächsten Tag entfernt werden; die Fäden hingegen werden erst nach Wochen oder gar Monaten entfernt. Bei der perforierenden Hornhauttransplantation dauert die Wundheilung der Hornhaut länger, so dass dann die Fäden erst nach frühestens zwölf Monaten entfernt werden können.

Wichtig ist, dass der Patient sich genau an die Vorgabe des Augenarztes hält, was die Gabe von Augentropfen betrifft. Diese müssen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten verabreicht werden. Auch die regelmässig stattfindenden Kontrolltermine beim Augenarzt sind nicht zu vernachlässigen.

Nach der Behandlung ist der Patient meist für mindestens zwei Wochen krankgeschrieben. Je nach Operationsmethode kann sich die Dauer der Krankschreibung sogar auf bis zu fünf Wochen verlängern. In den ersten Wochen nach der Operation ist besondere Vorsicht geboten und Sportarten, bei denen Verletzungen keine Seltenheit sind, sind zu vermeiden. Mit dem Besuch eines Schwimmbades sollte man mindestens acht Wochen lang warten. Bis das vollständige Sehvermögen hergestellt ist, können einige Monate vergehen.

Risiken und Komplikationen der Hornhauttransplantation

Bei der Hornhauttransplantation handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, der wie alle Operationen gewisse Risiken mit sich bringen kann. Wie bei allen Transplantationen kann es durchaus passieren, dass das Transplantat nicht angenommen wird. Die häufigste Komplikation ist die Abstoßungsreaktion. Diese kann gut behandelt werden, indem dem Patienten kortikosteroidhaltige Augentropfen verabreicht werden. Ganz normal ist es zudem, dass die körpereigene Abwehr zunächst versucht, das fremde Organ zu bekämpfen.

Dann kann eine Trübung der Hornhaut die Folge sein. Die Augen des Patienten können sich röten und stark tränen. Auch kann es durchaus vorkommen, dass sich die Sehleistung insgesamt verschlechtert. Kommt es zu einem sogenannten chronischen Endothelverlust, kann eine erneute Transplantation nach etwa 15 Jahren erforderlich sein.

Weitere Folgen, die nach einer Hornhauttransplantation auftreten können, sind die Bildung des Grauen Stars oder eine Hornhautverkrümmung. Letztgenannte kann mit einer geeigneten Sehhilfe gut korrigiert werden. Infektionen des Augeninnenlides können nach dem Eingriff vorkommen, sind aber eher selten. Kommt es zu einer Fadenlockerung oder einer erneuten dauerhaften Eintrübung, ist ein Folgeeingriff erforderlich.

Wie hoch ist die Erfolgsrate der Hornhauttransplantation?

Die Hornhauttransplantation ist die älteste Art der Gewebeübertragung überhaupt. Die erste Hornhauttransplantation wurde bereits im Jahr 1905 durchgeführt. Sie wird heutzutage häufig und bei zahlreichen Defekten an der Hornhaut eingesetzt. Die Erfolgsaussichten sind entsprechend gut: Bei 90 Prozent aller Patienten heilt die Hornhaut vollständig ein. Grundvoraussetzung, dass das Verfahren zum gewünschten Erfolg führt, ist eine umfassende Nachsorge und die Einhaltung aller Kontrolltermine.

Zusammenfassung

Die Transplantation von Hornhaut ist eines der ältesten Transplantationsverfahren überhaupt. Für viele Patienten ist es die einzige Möglichkeit, das Sehvermögen zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Die Erfolgsaussichten sind gut: Nur bei etwa zehn Prozent aller Patienten wird das Fremdorgan abgestossen oder es kommt zu anderen Komplikationen. Der Grossteil der Patienten aber nimmt die fremde Hornhaut gut an und kann sich über eine deutliche Verbesserung der Sehleistung freuen.

Nach oben