Glaukomanfall (Winkelblockglaukom)

Kategorien: Grüner Star - GlaukomPublished On: 28. März 2023Von 5 min read

Dr. med. Gabriele Valaisaite

Fachärztin für Augenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis

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Ein Glaukom (engl. Glaucoma) ist den meisten Menschen besser unter dem Begriff „Grüner Star“ bekannt. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Sehnerven, bei der zunehmend Nervenfasern absterben und dadurch Gesichtsfeldausfälle entstehen. Der Grund dafür ist eine Durchblutungsstörung im Auge oder aber ein zu hoher Augeninnendruck.

Unbehandelt führt die Krankheit zur Erblindung, allerdings gibt es mit drucksenkenden Tropfen, Operationen und Lasertherapien einige Behandlungsmethoden, um den Verlauf eines Glaukoms aufzuhalten. Eine Sonderform stellt jedoch der Glaukomanfall, oder auch das akute Winkelblockglaukom, dar. Im Folgenden soll das Krankheitsbild genauer vorgestellt werden.

Was versteht man unter einem Glaukomanfall?

Auch bei einem akuten Winkelblockglaukom erhöht sich der innere Augendruck um ein Vielfaches, es sind Werte von bis zu 80 mmHg möglich. Zum Vergleich: Normalerweise beträgt der Wert ungefähr 10 bis 21 mmHg. Darüber hinaus tritt der Anstieg des Augendrucks sehr plötzlich, also innerhalb von wenigen Stunden ein und ist kein länger andauernder Prozess wie beim Glaukom. Der Glaukomanfall ist eine seltene, aber schmerzhafte und akute Augenerkrankung, die meist nur ein Auge betrifft. Es handelt sich dabei um einen medizinischen Notfall, der sofort augenärztlich behandelt werden muss, da sonst die Gefahr besteht, dass eine irreparable Schädigung des Sehnervs eintritt.

Was sind die Ursachen eines Glaukomanfalls?

Die plötzlich auftretende Druckerhöhung im Augeninneren, die einen Glaukomanfall so gefährlich macht, geht meist auf einen verstopften Abflusskanal des Kammerwassers zurück. Das Kammerwasser dient der Versorgung der nicht durchbluteten inneren Strukturen des Auges, wie beispielsweise der Linse und der Hornhaut. Häufigste Ursache hierfür ist eine Verschiebung der Regenbogenhaut, also der Iris. Die Linse weitet sich im Alter zunehmend aus, was dazu führen kann, dass die Iris immer weiter nach vorne geschoben wird. In letzter Konsequenz kommt es dadurch schliesslich zu einem Verschluss des Kammerwasser-Abflusses und die sich stauende Flüssigkeit erhöht rapide den Augeninnendruck.

Weitere Ursachen für einen Glaukomanfall können akute Verletzungen im Auge, aber auch primäre Erkrankungen wie eine Uveitis (Entzündung der Augenhaut) sein. Auch bestimmte Medikamente (beispielsweise manche Antidepressiva oder Epilepsiemedikamente) können das Risiko für einen Glaukomanfall erhöhen, da sie eine Weitstellung der Pupillen verursachen, die wiederum eine Verschiebung der Iris verursachen kann.

Nicht zuletzt sind weitsichtige Menschen gefährdet, da bei ihnen der Augapfel verkürzt ist, was einen Verschluss des Augenkammer-Wasserabflusses begünstigt. Auch Frauen und Menschen asiatischer Abstammung erleiden häufiger einen Glaukom-Anfall.

Was sind die Symptome des Glaukomanfalls?

Ein Glaukomanfall geht mit charakteristischen Symptomen einher, die meist eindeutig auf den augenärztlichen Notfall deuten. Die Betroffenen verspüren einen starken Augendruck-Schmerz auf dem befallenen Auge, häufig ist dieses auch gerötet. Zudem wird bereits bei leichtem Augendruck festgestellt, dass sich der komplette Augapfel steinhart anfühlt. Anders als beim Offenwinkelglaukom, leiden Betroffene des Glaukomanfalls unter starken Kopf- und Augenschmerzen. Übelkeit und Erbrechen sind meist weitere Begleiterscheinungen.

Hinzu kommt eine zunehmende Beeinträchtigung des Sehvermögens. Das reicht von Farbringen um Lichtquellen herum, sogenannten Halos, über unspezifische Nebenschleier bis hin zu einem plötzlichen Verlust des Sehvermögens. Für den Facharzt der Augenheilkunde relevant ist eine verzögerte oder ganz ausbleibende Reaktion der Pupille auf Licht. Man spricht hier auch von einer fixierten Pupille.

Diagnostik des Glaukomanfalls

Auch wenn die Symptome häufig eindeutig auf einen Glaukom-Anfall deuten, sind dennoch Untersuchungen notwendig, um die Diagnose abzusichern. Mithilfe eines sogenannten Gonioskops kann normalerweise der Kammerwinkel im Auge eingesehen werden. Ist dies nicht möglich, spricht dies für einen Glaukom-Anfall. Untermauert wird der Verdacht mit einer sogenannten Tonometrie. Das ist die präzise Messung des Augeninnendrucks.

Wie bereits erwähnt nimmt dieser bei einem Glaukom-Anfall deutlich erhöhte Werte an, die die Diagnose bestätigen. Außerdem betrachtet der Mediziner den vorderen Bereich des Augapfels mit dem Spaltlampenmikroskop. Durch die Vergrößerung und spezielle Beleuchtung kann er den Zustand der Pupille, der Hornhaut und allgemeine Rötungen gut erkennen und einschätzen. Das dazu parallel durchgeführte Patientengespräch gibt Aufschluss über weitere Hinweise, beispielsweise die Einnahme von Medikamenten, die das Risiko für einen Glaukom-Anfall erhöhen.

Beim Verdacht auf einen Glaukomanfall muss man umgehend einen Notfall Augenarzt in der Nähe aufsuchen, damit eine genaue Diagnose gestellt und die Sofortmassnahmen eingeleitet werden können.

Therapie des Glaukomanfalls

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung eines Glaukomanfalls ist die rasche Reduzierung des Augeninnendrucks. Dafür kommen mehrere Medikamente infrage, zum Beispiel Karboanhydrasehemmer, oder Alphaagonisten. Alternativ kann auch versucht werden, das Kammerwasser im Kammerwinkel des Auges zu reduzieren, was letztlich ebenfalls zu einer Verminderung des Drucks führt. Dafür werden vor allem Betablocker oder Mannitol eingesetzt.

Meist handelt es sich hierbei jedoch nur um Notfallmaßnahmen. Für eine langfristige Verbesserung ist in der Regel eine Operation notwendig, bei der der Kammerwinkel durch geeignete Maßnahmen dauerhaft geöffnet bleiben soll. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch das zweite Auge präventiv behandelt, um einen erneuten Glaukomanfall auf der anderen Seite zu verhindern. Chirurgische Therapien können hier zum Beispiel die Goniotrepanation und Trabekulektomie sein, bei der ein Abflusskanal aus der Vorderkammer des Auges unter der Bindehaut angelegt wird.

Unsere Augenärzte in Chur können Sie gerne über die Therapiemöglichkeiten aufklären.

Prognose und Zusammenfassung

Die Folgen eines Glaukomanfalls hängen maßgeblich davon ab, wie schnell dieser erkannt wird. Bei einer raschen augenärztlichen Behandlung sind die Einschränkungen des Sehvermögens in der Regel nicht dauerhaft und heilen vollständig aus. Auf der anderen Seite kann der Glaukomanfall unbehandelt innerhalb weniger Stunden zur dauerhaften Schädigung der Sehnerven und einer damit einhergehenden Erblindung des betroffenen Auges führen.

Aus diesem Grund ist es essenziell, dass sich Betroffene beim Verdacht auf einen Glaukomanfall schnellstens in augenärztliche Behandlung begeben, da sprichwörtlich jede Sekunde zählt, um das Auge vor der Erblindung zu bewahren. Begleitpersonen sollten vor allem beruhigend auf Patienten einwirken, da diese meist aufgrund der Symptome massiv verunsichert und verängstigt sind.

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