Allergische Bindehautentzündung
Dr. med. Richard Nagy
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Inhaltsverzeichnis
Einführung: Die allergische Bindehautentzündung
Die allergische Bindehautentzündung, auch als allergische Konjunktivitis bekannt, ist eine häufige Augenerkrankung, die aus einer allergischen Reaktionen auf verschiedene Substanzen resultiert. Die Bindehaut, das dünne Gewebe, das die Innenseite der Augenlider und die Vorderfläche des Auges bedeckt, entzündet sich dabei infolge einer Immunantwort des Körpers auf allergene Auslöser und ist stark gereizt. Dieser Zustand kann erhebliche Unannehmlichkeiten verursachen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. In diesem Artikel werden wir uns ausführlich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten der allergischen Konjunktivitis befassen. Anders als bei der bakteriellen Bindehautentzündung ist diese Form der Bindehautentzündung nicht ansteckend, das heißt sie kann also nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden und somit auch nicht infektiös.
Die allergische Konjunktivitis stellt eine allergisch verursachte Erkrankung der Bindehaut des Auges (Konjunktiva) dar. Wenn die Augenlider ebenfalls betroffen sind, wird von einer allergischen Blepharokonjunktivitis gesprochen. Diese Erkrankung entsteht infolge der Exposition gegenüber Allergenen und resultiert aus einer Entzündungsreaktion, die durch IgE vermittelt wird. Oft tritt die allergische Konjunktivitis nicht alleine auf, sondern geht häufig mit einer Entzündung der Nasenschleimhaut (allergische Rhinitis) einher, was als „allergische Rhinokonjunktivitis“ bezeichnet wird.
Ursachen der allergischen Bindehautentzündung
Die Ursachen einer allergischen Bindehautentzündung kommen meist durch allergene Substanzen, auf die der Körper empfindlich reagiert. Diese Allergie Auslöser können vielfältig sein und umfassen:
- Pollen: Pollen von Bäumen, Gräsern und Blumen sind häufige Auslöser für anaphylaktische Reaktion (z.B. Heuschnupfen), insbesondere während der Pollensaison. Diese Form der allergischen Bindehautentzündung wird als saisonale allergische Konjunktivitis bezeichnet.
- Tierhaare und Hautschuppen: Allergien gegen Haare und Hautschuppen von Haustieren wie Hunden und Katzen können ebenfalls allergische Bindehautentzündungen auslösen. Die Symptome können anhalten, solange die betreffenden Tiere in der Nähe sind.
- Hausstaubmilben: Die winzigen Milben, die in Hausstaub vorkommen, sind eine häufige Ursache für ganzjährige allergische Bindehautentzündungen.
- Schimmelpilze: Schimmelpilze, die in feuchten Umgebungen gedeihen, können ebenfalls anaphylaktische Reaktion auslösen und zu entzündeten Augen führen.
- Chemikalien und Reizstoffe: Bestimmte Chemikalien, die in Kosmetika, Reinigungsmitteln oder anderen Produkten enthalten sind, können allergische Reaktionen der Bindehaut hervorrufen.
- Andere Allergene: Neben den genannten Auslösern können auch Lebensmittelallergene oder andere Umweltfaktoren allergische Bindehautentzündungen verursachen.
Symptome der allergischen Bindehautentzündung
Die Symptome einer allergischen Konjunktivitis können von leicht bis schwer variieren, treten meistens an beiden Augen auf und umfassen:
- Rötung und Juckreiz: Betroffene haben meist gerötete und juckende Augen, was zu einem starken Drang führt, sie zu reiben. Ebenso kann es neben dem Jucken auch zu trockenen Augen kommen.
- Tränenfluss: Die Augen können übermässig tränen, was zu einem ständigen Gefühl der Feuchtigkeit führt.
- Brennen und Fremdkörpergefühl: Betroffene berichten oft von einem brennenden oder stechenden Gefühl sowie dem Eindruck, ein Fremdkörper sei im Auge.
- Schwellung: Die Augenlider können anschwellen, was das Öffnen und Schliessen der Augen beeinträchtigen kann.
- Lichtempfindlichkeit: Licht kann als störend empfunden werden, und grelles Licht kann die Symptome verstärken.
- Veränderte Sehschärfe: Bei schweren Fällen kann die Sehschärfe vorübergehend erschwert sein.
- Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome je nach Art der allergischen Bindehautentzündung unterschiedlich sein können. Saisonale allergische Konjunktivitis, ganzjährige allergische Konjunktivitis und Riesenpapillenkonjunktivitis sind einige der verschiedenen Formen dieser Erkrankung, die jeweils spezifische Symptome aufweisen können.
Diagnostik
Anamnese und körperliche Untersuchung
- Ausführliche Befragung des Patienten zu Symptomen, Dauer und möglichen Auslösern.
- Beurteilung von Rötung, Schwellung, Tränenfluss, Jucken und anderen charakteristischen Symptomen und Beschwerden.
Spaltlampenuntersuchung
- Einsatz einer speziellen Lampe (Spaltlampe), um einen schmalen Lichtstrahl auf das Auge zu richten.
- Vergrösserte Betrachtung von Bindehaut, Hornhaut, Linse und vorderem Augenabschnitt.
- Erkennen von Anzeichen von Entzündung, Rötung und anderen Auffälligkeiten.
Allergietests
- Durchführung von Hauttests oder Bluttests, um die auslösenden Allergene zu identifizieren.
- Bei Hauttests werden winzige Mengen von Allergenen auf die Haut aufgetragen und Reaktion überwacht.
- Bluttests untersuchen spezifische allergenspezifische Antikörper in der Blutprobe.
Konjunktivale Abstriche
- Entnahme eines Abstrichs von der Bindehaut, um die Ursache der Entzündung zu ermitteln.
- Untersuchung auf Anzeichen von Bakterien, Viren oder pathologischen Veränderungen.
Fluoreszein-Färbung
- Anwendung von Augentropfen mit einem Farbstoff zur Erkennung von Hornhautveränderungen.
- Verwendung einer speziellen Lampe, um die gefärbte Hornhaut zu betrachten.
Behandlungsmöglichkeiten für allergische Bindehautentzündung
Die Behandlung der allergischen Konjunktivitis zielt auf eine Linderung der Symptome ab und allergene Auslöser zu minimieren. Hier sind einige Ansätze, die von Ärzten empfohlen werden können:
- Vermeidung allergischer Stoffe: Die Identifizierung und Vermeidung der Auslöser ist ein grundlegender Schritt. Dies kann den Kontakt mit Pollen, Haustieren, Hausstaubmilben und anderen Allergenen einschränken.
- Kühlende Kompressen: Kalte Kompressen auf den geschlossenen Augenlidern können helfen, Entzündungen und Juckreiz zu lindern.
- Antihistaminika: Rezeptfreie oder verschreibungspflichtige antihistaminische Augentropfen können helfen, Juckreiz, Rötung und Tränenfluss zu reduzieren.
- Mastzellstabilisatoren: Diese Augentropfen verhindern die Freisetzung von Histamin, einem chemischen Botenstoff, der allergische Reaktionen auslöst.
- Kortikosteroide: In schweren Fällen können kortikosteroidhaltige Augentropfen verschrieben werden, um Entzündungen zu reduzieren. Diese sollten jedoch nur kurzfristig verwendet werden, da sie bei längerer Anwendung Nebenwirkungen haben können.
- Immuntherapie: Bei schweren und hartnäckigen Fällen kann eine Immuntherapie in Erwägung gezogen werden. Dies beinhaltet die schrittweise Exposition gegenüber den allergenen Auslösern, um eine gewisse Toleranz aufzubauen.
Prävention und Tipps zur Selbsthilfe
Um allergische Bindehautentzündungen zu verhindern oder ihre Symptome zu minimieren, können folgende Massnahmen ergriffen werden:
- Allergen Management: Vermeiden Sie den Kontakt mit bekannten Allergenen, sei es Pollen, Tierhaare oder Schimmelpilze. Regelmässiges Reinigen und Staubsaugen kann helfen, Hausstaubmilben zu reduzieren.
- Augenhygiene: Vermeiden Sie es, sich die Augen mit ungewaschenen Händen zu reiben. Waschen Sie Ihre Hände regelmässig und vermeiden Sie den Kontakt mit potenziell reizenden Chemikalien.
- Schutzbrillen im Freien: Tragen Sie eine Schutzbrille im Freien, um den Kontakt mit Pollen zu minimieren.
- Luftreiniger: Verwenden Sie Luftreiniger mit HEPA-Filtern, um Allergene aus der Luft zu entfernen.
- Medikamente nach Anweisung verwenden: Wenn Augentropfen oder andere Medikamente verschrieben werden, ist es wichtig, sie gemäss den Anweisungen des Arztes zu verwenden.
Fazit: Ein besseres Verständnis für ein klareres Sehen
Die allergische Bindehautentzündung mag zwar eine lästige, chronische Erkrankung sein, aber mit dem richtigen Ansatz zur Prävention, Selbsthilfe und medizinischen Behandlung kann ihre Auswirkung erheblich reduziert werden. Ein bewusster Umgang mit Allergenen, das Einhalten von Augenhygiene und die rechtzeitige Anwendung von medizinischen Therapien können dazu beitragen, den unangenehmen Symptomen vorzubeugen und Betroffenen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Wenn Sie Anzeichen einer allergischen Bindehautentzündung bei sich selbst bemerken, sollten Sie einen Facharzt aufsuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und die besten Behandlungsoptionen zu besprechen.
Quellen
- Timothy L Jackson: Moorfields Manual of Ophthalmology, third edition, Seite 151.