Multifokale Choroiditis

Kategorien: AugenentzündungPublished On: 4. Februar 2024Von 6,8 min read

Dr. med. Richard Nagy

Ärztlicher Leiter, Facharzt für Augenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis

multifokale choroiditis

Multifokale Choroiditis

Multifokale Choroiditis (MFC) ist eine komplexe entzündliche Erkrankung des Auges, die vorwiegend die Aderhaut (Choroidea) betrifft, eine vitale Schicht zwischen der Netzhaut und der Sklera, die für die Blutversorgung der Netzhaut unerlässlich ist. Diese Erkrankung kann eine Vielzahl von Anzeichen verursachen, von leichten Sehstörungen bis hin zu schwerwiegenden und dauerhaften Sehbehinderungen, und erfordert daher eine sorgfältige und umfassende medizinische Betreuung. Die Pathogenese ist komplex und beinhaltet sowohl autoimmunologische als auch entzündliche Prozesse, die zu Läsionen in der Aderhaut führen.

Definition und Erscheinungsbild

Multifokale-Choroiditis fällt in die Kategorie der Uveitiden, speziell in die Gruppe der Uveitis posterior, die die hinteren Abschnitte des Auges betreffen. Diese Krankheit ist durch das Auftreten von multiplen, entzündlichen, gelb-weissen Läsionen im Auge gekennzeichnet, die insbesondere in der Chorioidea lokalisiert sind. Im Laufe der Zeit können diese Läsionen Narben bilden und zu einer Pigmentierung führen, die oft bei einer funduskopischen Untersuchung sichtbar ist. Die Entzündung kann sich auch auf benachbarte Strukturen wie die Retina und den Glaskörper ausdehnen, was die Komplexität der Krankheit und ihrer Symptome erhöht.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der multifokalen Choroiditis und Panuveitis sind in der aktuellen Augenmedizin noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass diese Art der Entzündung der Chorioidea als Reaktion auf eine vorherige Infektion entstehen kann, die eine übermäßige Immunreaktion ausgelöst hat. Die multifokale Choroiditis und Panuveitis tritt in der Regel spontan auf.

  • Genetische Faktoren: Eine genetische Veranlagung kann die Empfänglichkeit für die Entwicklung von MFC erhöhen, insbesondere in Familien, in denen bereits Autoimmunerkrankungen aufgetreten sind.
  • Immunsystem: Autoimmunreaktionen, bei denen das Immunsystem irrtümlich gesunde Zellen und Gewebe des eigenen Körpers angreift, können zur Entstehung der multifokalen Choroiditis beitragen.
  • Infektiöse Agentien: Bestimmte Viren, Bakterien oder Pilze könnten als Auslöser für die Entzündungsreaktion fungieren, insbesondere bei Personen mit einer vorhandenen Prädisposition für inflammatorische oder autoimmunologische Erkrankungen.

Im Allgemeinen kann Uveitis durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Infektionen durch Erreger wie Mykobakterien, Herpes-Viren oder Treponema pallidum. Auch bestimmte Gelenkerkrankungen und Syndrome, wie zum Beispiel Morbus Bechterew, können die Entstehung begünstigen.

Symptome und klinische Manifestationen

Die Symptomatik der multifokalen Choroiditis kann variieren, wobei einige Patienten leichte Beschwerden und andere schwere und beeinträchtigende Anzeichen erleben:

Visuelle Symptome

Allgemeine Augensymptome

Diese Anzeichen können schleichend beginnen und sich im Laufe der Zeit verschlimmern oder auch plötzlich auftreten.

Diagnostische Methoden

Die Diagnostik der multifokalen Choroiditis erfordert eine umfassende Untersuchung durch einen Augenarzt und den Einsatz verschiedener diagnostischer Verfahren, wie z.B.:

  • Spaltlampenuntersuchung: Eine detaillierte Untersuchung des Augenhintergrundes ist unerlässlich, um die charakteristischen Läsionen zu identifizieren.
  • Fluoreszenzangiographie: Diese Technik ermöglicht die Darstellung der Blutgefässe in der Aderhaut und der Netzhaut, um Entzündungsherde und deren Auswirkungen zu visualisieren.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT)OCT bietet detaillierte Querschnittsbilder der Netzhaut und der Choroidea, um strukturelle Veränderungen und das Ausmass der Inflammation zu beurteilen.
  • Laboruntersuchungen: Bluttests können durchgeführt werden, um systemische Krankheiten auszuschliessen und mögliche infektiöse Ursachen der Uveitis zu identifizieren. Bei einer Uveitis handelt es sich um eine Entzündung der Uvea, der mittleren Augenhaut und umfasst den Iris (Regenbogenhaut), den Ziliarkörper (Corpus ciliare) und die Chorioide). Diese Schicht spielt eine entscheidende Rolle bei der Versorgung des Auges mit Blut und Nährstoffen.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, bei dieser Krankheit auf bedeutende Differentialdiagnosen zu achten. Dazu gehören Tuberkulose, Toxoplasmose und Syphilis. Bei entsprechenden Rahmenbedingungen sollte auch eine Infektion mit dem West-Nil-Virus ausgeschlossen werden.

Bei der Diagnose der multifokalen Chorioretinitis ist es wichtig, sie von anderen ähnlichen Augenerkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Anzeichen oder Fundusbefunde aufweisen können. Die Differentialdiagnosen umfassen eine Vielzahl von Zuständen, die sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse Ursachen haben können. Hier sind einige der wichtigsten Differentialdiagnosen:

Punktförmige innere Choroidopathie (PIC)

  • PIC betrifft hauptsächlich junge, kurzsichtige Frauen.
  • Charakterisiert durch kleine, gelbliche Läsionen in der Choroidea, die weniger inflammatorisch sind als bei MFC.

Serpiginöse Choroiditis

  • Eine fortschreitende, inflammatorische Erkrankung, die typischerweise in einem schlangenförmigen Muster verläuft.
  • Betroffen sind meistens die mittleren bis äusseren Fundusregionen.

Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom (VKH)

  • Eine systemische Autoimmunerkrankung (VKH), die neben der Choroidea auch Haut, Haare, Innenohr und Meningen betrifft.
  • Typische Anzeichen sind Tinnitus, Vitiligo, Alopezie und Meningismus.

Akute posterior multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie (APMPPE)

  • Gekennzeichnet durch multiple, kleine, cremefarbene Läsionen auf dem Niveau des retinalen Pigmentepithels.
  • Oft assoziiert mit einer vorherigen viralen Infektion.

Sympathische Ophthalmie

  • Sympathische Ophthalmie: Eine seltene, beidseitige Uveitis, die nach einer Verletzung oder Operation eines Auges auftritt.
  • Die Entzündung tritt typischerweise einige Wochen bis Monate nach dem auslösenden Ereignis auf.

Tuberkulöse Choroiditis

  • Kann ähnliche Fundusbefunde wie MFC zeigen, ist jedoch mit einer systemischen Tuberkuloseinfektion verbunden.
  • Erfordert eine gründliche Anamnese und Untersuchung, um die Diagnose zu bestätigen.

Sarkoidose

  • Sarkoidose: Eine systemische Granulomatose, die multiple Organe betreffen kann, einschliesslich der Lunge, der Lymphknoten und des Auges.
  • Choroidale Läsionen können bei Sarkoidose auftreten, oft begleitet von systemischen Anzeichen.

Behçet-Krankheit

  • Eine systemische Vaskulitis (Behçet) unbekannter Ursache, die rezidivierende orale und genitale Ulzerationen verursacht.
  • Die Augenbeteiligung kann eine Panuveitis mit retinalen Vaskulitis-Erscheinungen umfassen.

Bei Verdacht auf multifokale Choroiditis ist es daher entscheidend, eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung durchzuführen und gegebenenfalls spezifische Tests einzuleiten, um diese Differentialdiagnosen zu berücksichtigen. Unsere Augenärzte in Chur stehen bereit, um bei Fragen und Unklarheiten zu helfen, eine genaue Diagnose zu stellen und den am besten geeigneten Behandlungsplan zu empfehlen.

Behandlungsansätze

Die Behandlung der multifokalen Choroiditis zielt darauf ab, die Entzündung zu kontrollieren, das Sehvermögen zu erhalten und Komplikationen zu verhindern. Abhängig von der Schwere und dem Verlauf der Erkrankung können verschiedene therapeutische Strategien zum Einsatz kommen:

  • Kortikosteroiden: Diese werden eingesetzt, um die akute Entzündung zu reduzieren und können als Augentropfen, orale Medikamente oder Injektionen verabreicht werden.
  • Immunsuppressive Medikamente: Für Patienten, die nicht ausreichend auf Steroide ansprechen oder bei denen eine langfristige Steroidtherapie aufgrund von Nebenwirkungen nicht geeignet ist, können immunsuppressive Medikamente eine Alternative bieten.
  • Anti-VEGF-Therapie: In Fällen, wo es zum Wachstum abnormaler Blutgefässe kommt, kann eine Therapie mit Vascular Endothelial Growth Factor-Inhibitoren angezeigt sein, um Sehverlust vorzubeugen.

Prognose und Langzeitmanagement

Die Prognose der multifokalen Choroiditis kann stark variieren und hängt von mehreren Faktoren ab, einschliesslich der Schwere der initialen Anzeichen, der Effektivität der Behandlung und dem Auftreten von Komplikationen. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn und eine konsequente Überwachung sind entscheidend, um das bestmögliche Sehvermögen zu erhalten und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Regelmässige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um den Verlauf der Erkrankung zu überwachen, die Behandlung anzupassen und frühzeitig auf mögliche Komplikationen zu reagieren.

Multifokale Choroiditis: Zusammenfassung

Multifokale Choroiditis ist eine inflammatorische Augenerkrankung, die durch multiple Läsionen in der Choroidea charakterisiert ist und eine Vielzahl von Sehproblemen verursachen kann. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch immunologische Faktoren eine Rolle spielen. Anzeichen können verschwommenes Sehen, dunkle Flecken im Sichtfeld, Lichtblitze und möglicherweise Sehverlust umfassen. Die Diagnose erfordert eine umfassende augenärztliche Untersuchung und den Einsatz spezifischer bildgebender Verfahren. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und umfasst in der Regel Kortikosteroide, immunsuppressive Medikamente und möglicherweise Anti-VEGF-Therapie. Die Prognose variiert je nach individuellem Verlauf der Erkrankung, frühzeitiger Diagnose und effektiver Behandlung.

Sollten Sie Fragen zur multifokalen Choroiditis haben oder Unklarheiten bezüglich der Anzeichen oder der Behandlungsmöglichkeiten bestehen, stehen unsere erfahrenen Augenärzte in Chur Ihnen gerne zur Verfügung. Wir sind hier, um Sie zu unterstützen und zu beraten, und bieten eine umfassende Betreuung, um Ihre Sehgesundheit zu schützen und zu verbessern. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, um mehr über diese Erkrankung zu erfahren oder eine Untersuchung zu vereinbaren. Auch bei Augennotfällen sind wir jederzeit für Sie erreichbar!

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