Skleritis posterior

Kategorien: Syndrome & AugenerkrankungenPublished On: 25. Januar 2024Von 6,7 min read

Dr. med. Gabriele Valaisaite

Fachärztin für Augenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis

skleritis posterior

Einführung und Bedeutung der Skleritis Posterior

Die Skleritis-posterior ist eine seltene, aber ernsthafte Erkrankung des Auges, die aufgrund ihrer Lokalisierung im hinteren Teil der Sklera eine besondere Herausforderung in der Diagnose und Behandlung darstellt. Im Gegensatz zur vorderen Skleritis, die sich auf die vordere Region der Sklera konzentriert und leichter zu erkennen ist, verursacht die hintere Skleritis oft weniger offensichtliche Symptome. Diese Tatsache kann zu Verzögerungen in der Diagnose und Behandlung führen, wodurch das Risiko für schwerwiegende Komplikationen steigt. Die Skleritis ist eine Entzündung und kann ein isoliertes Ereignis sein oder im Kontext systemischer Krankheiten auftreten, was ihre Behandlung komplex macht. Die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, da dies entscheidend ist, um irreversible Schäden am Auge und eine mögliche Erblindung zu verhindern. Erfahren Sie mehr über die Ätiologie, Symptomatik, Diagnose und Therapie!

Ursachen und Risikofaktoren der Skleritis posterior im Detail

Es gibt eine Unterscheidung zwischen einer Skleritis anterior im vorderen Augenabschnitt und einer Skleritis-posterior im hinteren Augenabschnitt. Die Skleritis anterior kann in eine nekrotisierende Skleritis, eine noduläre Form und eine diffuse Form unterteilt werden. Die nekrotisierender Skleritis ist deshalb so gefährlich, da in fortgeschrittenen Stadien einer nekrotisierenden Skleritis die Gefahr einer Bulbus Perforation besteht, was im schlimmsten Fall zum Verlust des Auges führen kann. Bei der nodulären Form befindet sich in dem skleritischen Bereich ein hyperämisches, ödematöses, erhabenes Knötchen.

Die Ursachen der Skleritis posterior können vielfältig sein und umfassen sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse Faktoren. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Autoimmunerkrankungen: Rheumatoide Arthritis, Granulomatose mit Polyangiitis, systemischer Lupus erythematodes, Polyarteriitis nodosa und andere.
  • Infektionen: Bakterielle Infektionen wie Tuberkulose, virale Infektionen wie Herpes Zoster, und pilzbedingte Infektionen.
  • Verletzungen und chirurgische Eingriffe: Frühere Verletzungen oder Operationen am Auge können das Risiko einer Skleritis-posterior erhöhen.
  • Genetische Faktoren: Eine familiäre Vorgeschichte von Autoimmunerkrankungen oder Augenerkrankungen kann das Risiko erhöhen.
  • Umweltfaktoren: Rauchen und chronischer Stress sind bekannte Risikofaktoren, die zur Entwicklung oder Verschlimmerung der Skleritis-posterior beitragen können.

Symptomatik und ihre Auswirkungen

Die Symptomatik der posterioren Skleritis kann variieren. Bei Patienten mit Skleritis treten aber typischerweise folgende Symptome auf:

  • Tiefe, dumpfe Augenschmerzen: Oft hinter oder um das Auge herum lokalisiert, können sich bei Augenbewegungen verstärken.
  • Sehstörungen: Unscharfes SehenVeränderungen im Gesichtsfeld oder Doppelbilder.
  • Rötung und Schwellung: In seltenen Fällen sichtbare Rötung und Schwellung der betroffenen Augenregion.
  • Lichtempfindlichkeit: Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht.
  • Diese Symptome können nicht nur die Sehfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die allgemeine Lebensqualität haben, einschliesslich Schlafstörungen und Beeinträchtigungen im täglichen Leben.

Diagnostische Herausforderungen und Techniken

Die Diagnose einer Skleritis posterior stellt Ärzte oft vor Herausforderungen, da ihre Symptome unspezifisch sein können und spezielle Untersuchungsmethoden erfordern. Zu den diagnostischen Techniken gehören:

  • Funduskopie: Eine Untersuchung des Augenhintergrundes, um Veränderungen in der Sklera zu erkennen.
  • Spaltlampenuntersuchung: Die Augenuntersuchung mit einer Spaltlampe dient vorrangig der Bewertung der vorderen Augenstrukturen. In Kombination mit anderen Untersuchungsmethoden kann sie jedoch auch Hinweise auf entzündliche Prozesse in tieferen Augenschichten liefern.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall, MRI oder CT-Scans des Auges, um Entzündungen und andere Anomalien zu identifizieren.
  • Bluttests: Zum Nachweis von Entzündungszeichen und spezifischen Autoantikörpern, die auf systemische Erkrankungen hinweisen könnten.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die Einbeziehung von Rheumatologen und anderen Spezialisten kann entscheidend sein, um eine umfassende Diagnose zu stellen.

Differentialdiagnosen

Die Differentialdiagnose der Skleritis-posterior umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen können. Es ist entscheidend, diese Zustände zu berücksichtigen und auszuschliessen, um eine korrekte Diagnose zu stellen und die geeignete Behandlung einzuleiten. Zu den wichtigsten Differentialdiagnosen gehören:

Episkleritis

Episkleritis bezeichnet eine entzündliche Erkrankung der obersten Schicht der Sklera. Im Allgemeinen ist sie weniger schwerwiegend als die Skleritis und geht mit geringeren Schmerzen einher.

Uveitis

  • Charakteristika: Eine Entzündung der Uvea, die mittlere Schicht des Auges.
  • Unterscheidungsmerkmale: Kann mit Schmerzen, Rötungen und Sehstörungen einhergehen, ähnlich wie die Skleritis-posterior. Die Unterscheidung erfolgt durch die spezifische Lokalisation und Art der Entzündung, die mittels Augenuntersuchung und Bildgebung festgestellt wird.

Chorioretinitis

  • Charakteristika: Eine Entzündung der Chorioidea und der Retina.
  • Unterscheidungsmerkmale: Verursacht oft Sehstörungen, kann aber in der klinischen Präsentation der Skleritis-posterior ähneln. Eine genaue Untersuchung des Augenhintergrunds ist entscheidend für die Diagnose.

Orbitale Zellulitis

  • Charakteristika: Eine ernste Infektion, die die Gewebe um das Auge herum betrifft.
  • Unterscheidungsmerkmale: Verursacht Schwellungen, Rötungen und Schmerzen im Bereich der Augenhöhle. Wichtig ist die Unterscheidung durch Symptome wie Fieber und eine reduzierte Beweglichkeit des Auges.

Glaukom

  • Charakteristika: Eine Gruppe von Erkrankungen (Glaukom), die zu einem erhöhten Augeninnendruck führen.
  • Unterscheidungsmerkmale: Kann Schmerzen und Sehstörungen verursachen, die denen der Skleritis-posterior ähnlich sind. Ein Schlüssel zur Diagnose ist die Messung des Augeninnendrucks.

Okuläre Hypotonie

  • Charakteristika: Ein abnorm niedriger Augeninnendruck.
  • Unterscheidungsmerkmale: Kann Schmerzen und Sehstörungen verursachen. Die Diagnose wird durch die Messung des Augeninnendrucks gestellt.

Netzhautablösung

  • Charakteristika: Eine Trennung der Netzhaut vom darunterliegenden Gewebe.
  • Unterscheidungsmerkmale: Symptome können Sehstörungen und das Auftreten von „Blitzen“ oder „Schwimmern“ umfassen. Eine genaue Untersuchung des Augenhintergrunds ist für die Diagnose entscheidend.

Intraokulare Tumoren

  • Charakteristika: Neoplasien innerhalb des Auges, wie Melanome.
  • Unterscheidungsmerkmale: Kann asymptomatisch sein oder Symptome wie Sehstörungen und Schmerzen verursachen. Bildgebende Verfahren sind entscheidend für die Diagnose.

Optikusneuritis

  • Charakteristika: Eine Entzündung des Sehnervs.
  • Unterscheidungsmerkmale: Verursacht oft Sehverlust oder -störungen. Die Diagnose erfolgt durch Untersuchung des Sehnervs und bildgebende Verfahren.

Vaskuläre Erkrankungen des Auges

  • Charakteristika: Erkrankungen wie eine Zentralarterien- oder Venenverschluss.
  • Unterscheidungsmerkmale: Verursachen Sehstörungen, manchmal ohne Schmerzen. Eine Untersuchung des Augenhintergrunds hilft bei der Diagnose.

Systemerkrankung

  • Charakteristika: Grunderkrankung, wie multiple Sklerose oder Sarkoidose werden oft mit einer Skleritis assoziiert.
  • Unterscheidungsmerkmale: Diese systemischen Erkrankungen können mit okularen Symptomen einhergehen, die denen der Skleritis-posterior ähneln. Eine umfassende systemische Untersuchung und Anamnese sind notwendig, um diese Diagnosen zu stellen.

Bei der Untersuchung eines Patienten mit Verdacht auf Skleritis-posterior ist es wichtig, diese Differentialdiagnosen sorgfältig zu berücksichtigen. Eine genaue Anamnese, klinische Untersuchung und entsprechende diagnostische Tests sind entscheidend, um die korrekte Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Behandlungsstrategien und ihre Anpassung

Die Behandlung der Skleritis posterior erfordert einen individualisierten Ansatz und kann verschiedene Therapieformen umfassen:

  • Medikamentöse Therapie: Einsatz von nichtsteroidale Antirheumatika und Kortikosteroiden zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung. Kortikosteroide, insbesondere oral verabreichte wie Prednison, können in schweren Fällen von Skleritis erforderlich sein, um die Entzündung rasch zu kontrollieren.
  • Immunsuppressive Medikamente: Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen können stärkere Immunsuppressiva (z.B. Methotrexat, Cyclophosphamid) oder Biologika (z.B. Rituximab) erforderlich sein.
  • Antimikrobielle Therapie: Bei infektiösen Ursachen eine gezielte Behandlung mit Antibiotika, antiviralen oder antifungalen Medikamenten.
  • Regelmässige Überwachung: Anpassung der Behandlung basierend auf dem Ansprechen des Patienten und der Kontrolle von Nebenwirkungen.

Langfristige Auswirkungen und Prävention von Komplikationen

Die langfristigen Auswirkungen der Skleritis-posterior können gravierend sein und eine kontinuierliche Überwachung und Anpassung der Behandlungsstrategien erfordern. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Permanente Sehbeeinträchtigungen: Dauerhafte Schäden am Sehvermögen durch anhaltende Entzündung.
  • Sekundäre Krankheiten: Entwicklung von Glaukom oder Katarakten als Folge der Skleritis oder ihrer Behandlung.
  • Interdisziplinäre Betreuung: Regelmässige Untersuchungen durch Augenärzte und gegebenenfalls durch andere Fachärzte sind unerlässlich, um diese Komplikationen zu vermeiden oder frühzeitig zu behandeln.

Schlussfolgerung und Bedeutung für die Patientenversorgung

Die posteriore Skleritis ist eine schwere, ernsthafte Krankheit, die eine umfassende und langfristige Behandlung erfordert. Die frühzeitige Diagnose der Skleritis posterior und ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept sind essenziell, um irreversible Schäden am Auge zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Die ganzheitliche Betrachtung der Patienten, einschliesslich der Berücksichtigung von Lebensstilfaktoren und Begleiterkrankungen, sowie ein multidisziplinärer Ansatz sind oft entscheidend, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Das Verständnis für die Komplexität und die potenziellen Auswirkungen der Skleritis-posterior ist für alle Beteiligten im Gesundheitswesen von grosser Bedeutung.

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